KMU-Umfrage: Situation der KMU verschlechtert sich zunehmend - 54.6 Prozent der Betriebe in Schieflage

Die Wirtschaftskrise, welche durch die staatlichen Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie laufend verstärkt wird, trifft die Zürcher KMU überdurchschnittlich hart. Dies zeigen aktuelle Zahlen einer Umfrage des KMU- und Gewerbeverband Kanton Zürich (KGV), an der sich 1489 Zürcher KMU aus allen Branchen beteiligt haben. Die Umfrage wurde Mitte Dezember durchgeführt.

Mehrheit der KMU im Kanton Zürich in akuter Schieflage

54.6 Prozent der KMU im Kanton Zürich sehen sich in akuter Schieflage (Wert Juli 2020: 48.9 Prozent). Die Effekte der Corona-Krise für die kommenden 6 Monate in Bezug auf Ihr KMU werden von den Inhaberinnen und Inhaber wie folgt beurteilt:

 

Existenz massiv gefährdet, Überleben unsicher

Existenz gefährdet, Überleben wird vermutet

Deutliche Einbussen, aber Überleben nicht gefährdet

Total in akuter Schieflage

Alle KMU (November 2020)

6.6%

16.7%

31.3%

54.6%

Alle KMU (Juli 2020)

3.8%

15.1%

30.0%

48.9%


Ausgewählte Branchen (November 2020)

Gastronomie und Hotellerie

92.5%

Druck- und Informationsdienstleistungen

87.0%

Transport und Logistik

79.4%

Auto und Autoersatzteile

74.0%

Grafik, Werbung und Kommuniaktion

70.8%

Detailhandel

68.4%

Auch die allgemeinen Zukunftsaussichten für ihr KMU schätzen die Inhaber schlechter ein. Resultierte im Juni noch ein Wert von 3.56 (auf einer Skala von 1 bis 5), so ist dieser inzwischen auf 3.21 gesunken.

Unterschiedliche Akzeptanz der Massnahmen zur Pandemiebekämpfung

Auf die Frage, welche staatlichen Massnahmen zur Pandemiebekämpfung aus Sicht der KMU unterstützenswert seien, haben die KMU wie folgt geantwortet:

Massnahme

Zustimmung

Abstand halten, gründlich Hände waschen

89.4%

Maskenpflicht in Innenräumen

64.1%

Bei Symptomen sofort testen lassen und zuhause bleiben

62.1%

Kontaktdaten hinterlegen

44.4%

Contact Tracing

43.4%

Quarantäneregelung 10 Tage

22.6%

Sperrstunde ab 19 Uhr für alle Restaurants, Läden etc.

10.2%

Erneuter Lockdown

16.5%

 

Auffällig ist, dass gerade die Sperrstunde ab 19 Uhr für Detailhandel und Gastronomie bei allen KMU eine geringe Akzeptanz geniesst. Auch die Quarantänefristen von 10 Tagen, welche ganze KMU lahmlegt, stösst auf wenig Verständnis. Fünf von sechs KMU sprechen sich gegen einen erneuten Lockdown aus.

Kein gutes Zeugnis für Kommunikation und Glaubwürdigkeit der Behörden

Die KMU im Kanton Zürich beurteilen die Kommunikation der Behörden (Bund und Kanton) als ungenügend. Sie ist für 46.2% der KMU wenig verständlich und nur für 17.5% sehr verständlich. Besonders unzufrieden sind die Branchen Gastronomie und Hotellerie.

Bei 45.1% der KMU haben die Behörden ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Nur gerade 14.0% beurteilen die Glaubwürdigkeit der Behörden als hoch. Auch hier sind die Branchen Gastronomie und Hotellerie besonders unzufrieden.

43.3% wünschen sich weniger Massnahmen, dafür aber eine konsequentere Durchsetzung. 25.8% halten die vielen Massnahmen und deren regelmässige Anpassung für richtig.

Der KMU- und Gewerbeverband Kanton Zürich (KGV) ruft die politischen Entscheidungsträger auf, keine weiteren überstürzten Massnahmen zu treffen, welche die KMU-Wirtschaft noch weiter schwächt. Denn jede zusätzliche Massnahme gefährdet weitere KMU und somit wichtige Arbeits- und Ausbildungsplätze im Kanton Zürich.